Feines Reiten
Das Feine Reiten ist mehr als bloß eine gewisse Form der praktisch-technischen Ausführung oder ein Ensemble von Vorgehensweisen. Reiten in Légèreté ist eine Einstellung, eine grundlegende Haltung, ein konzeptuelles System, eine Philosophie. Das Fundament dieser Auffassung liegt in ihren Prinzipien und das wichtigste Prinzip dieser Sicht- und Reitweise ist das Ablassen vom konstanten Einsatz der Hilfen (descente des aides).
Die Prinzipien dieses Denksystems sind:
1. Das Ablassen vom Einsatz der Hilfen
Prinzipiell sollen Hilfen nur dann verwendet werden, wenn es darum geht, Übergänge z. b. bei Tempoveränderungen innerhalb einer Gangart, von einer Gangart in die andere, von einer Gewichtsverteilung, d. h. von einem Grad oder Typ des Ausbalanciertseins in einen anderen oder von einer Bewegung oder Übung in eine andere zu reiten.
Sobald der jeweilige Übergang ausgeführt worden ist, muss das Pferd sich selbst überlassen werden: jegliche Hilfengebung muss aufhören, keinerlei Hilfen dürfen aktiv sein, Stille muss herrschen.
2. Der separate Einsatz der Hilfen
Dieses Prinzip verlangt, die Hilfen einzeln, also separat voneinander, einzusetzen. Dies wird im Grundsatz „Hand ohne Beine – Beine ohne Hand“ deutlich.
3. Der angemessene Grad der Hilfengebung
Das dritte Prinzip ist, die Hilfen im korrekt bemessenen Grad zu verwenden. D. h. das die Hilfen nicht über eine gewisse Schwelle hinausgehen sollen.
4. Die Schaffung optimaler Bedingungen für den maximal erfolgversprechenden Einsatz der Hilfen
Das vierte Prinzip, das es im Reiten im Geiste der Légèreté zu respektieren gilt, ist die Schaffung optimaler Bedingungen für den Einsatz der Hilfen. Das bedeutet, dass keine Übung verlangt werden soll, solange die Verteilung der Körpermasse des Pferdes im Verhältnis zum Boden oder Einstellung und Anordnung einzelner Körperteile zueinander so ist, dass die korrekte Ausführung der Lektion unmöglich ist. Das Prinzip der Optimierung verlangt also, dass eine Übung nicht angegangen werden soll, wenn es dem Pferd gänzlich unmöglich ist, sie zu erfüllen.
Es war Baucher, der dieses Prinzip klar und deutlich hervorgehoben hat. „Zuerst Position – dann Aktion“
5. Die Versammlung
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Wollen Sie mehr über dieses System wissen, empfehle ich Ihnen sehr die Lektüre des Buches „Feines Reiten“ von Jean-Claude Racinet, aus dem ich hier auszugsweise zitiert habe.

