Die folgende Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ist ein Ausdruck meines subjektiven Empfindens.
- Xenophon
- Federigo Griso, genannt Grisone
- Antoine de Pluvinel
- William Cavendish
- Marquis de Marialva
- François Robichon de la Guérinière
- Ludwig Hünersdorf
- François Baucher
- James Fillis
- Louis Seeger
- Gustav Steinbrecht
- Federico Caprilli
- Alexis l´Hotte
- General Decarpentry
Xenophon ca. 426 v. Chr. - 355 v. Chr., Griechenland
Xenophon war ein aus Athen stammender Schriftsteller, Geschichtsschreiber, Philosoph, Heerführer und Gutsherr.
"Über die Reitkunst" ist eine ca. 350 v. Chr. von Xenophon verfasste Reitlehre. Die von Xenophon verfassten Grundsätze über die Ausbildung des Pferdes sowie des Reiters haben bis heute Gültigkeit. Xenophon forderte dazu auf, das Pferd als Partner zu sehen und dementsprechend zu behandeln. Das Pferd musste gut behandelt werden, da man sich im Krieg und in Notsituationen zu hundert Prozent darauf verlassen können musste. Xenophon lehnte Gewalt strikt ab; Belohnung war für ihn die wichtigste Ausbildungshilfe. Die Reitlehre behandelt die Ausbildung für den Krieg (sowohl des Reiters als auch des Pferdes), aber viele Grundsätze sind eins zu eins auf die heutige Zeit übertragbar.
Literatur
- Xenophon - Über die Reitkunst & Der Reitoberst: Zwei hippologische Lehrbücher der Antike, Müller Rüschlikon, 2010
Federico Griso, genannt Grisone 1507 - 1570, Italien
Er war italienischer Reitmeister und lehrte an der 1532 gegründeten neapolitanischen Reitschule. Er erfand mit seinem Schüler Giovanni Pignatelli verschiedene extrem scharfe Zäumungen, vor allem Kandaren, die der gewaltsamen Unterwerfung des Pferdes dienten. Er vertrat die Auffassung, dass Strafe das beste Mittel zur Ausbildung des Pferdes sei. Das Pferd sollte vor dem Reiter mehr Angst als vor allem anderen haben und aus dieser Angst heraus unter allen Umständen bedingungslos gehorchen. Er wurde zum Begründer der italienischen und über seinen Nachfolger Giovanni Pignatelli und dessen Schüler Salomon de la Broue indirekt auch der französischen Gewaltschule. Seine Reitlehre "Ordine di Cavalcare" erschien 1552.
Literatur
- Künstlicher Bericht und allerzierlichste Beschreybung wie die streitbarn Pferdt zum Ernst und ritterlicher Kurtzweil geschickt und vollkommen zu machen, Olms Verlag, 1972, Reprografischer Nachdruck der Ausgabe Augsburg 1570
Antoine de Pluvinel 1555 - 1620, Frankreich
Pluvinel war einer der wichtigsten Vertreter der gewaltfreien Lehrmethode in der Reiterei. Obwohl er Schüler von Giovanni Pignatelli (neapolitanische Reitschule) war, der mit extrem scharfen Kandaren arbeitete und zu seiner Zeit die italienische Schule in der Reitkunst mit ihrer Gewaltmethode tonangebend war, war Pluvinel der Ansicht, dass das Pferd durch Verständnis für seinen Charakter, Lob und Geduld auch ohne Gewalt zur Mitarbeit gebracht werden kann. Diese gewaltfreie Methode sollte zur Leistungsfähigkeit des Pferdes beitragen und sein Leben verlängern. Diese Einstellung zeigt sich deutlich in den folgenden zwei Zitaten aus seinem Buch "Le Manège Royal" (posthum 1623 erschienen):
"Das Pferd muss selber Freunde an der Reitbahn haben, sonst wird dem Reiter nichts mit Anmut gelingen."
"Wir sollten besorgt sein, das Pferd nicht zu verdrießen und seine natürliche Anmut zu erhalten, sie gleicht dem Blütenduft der Früchte, der niemals wiederkehrt, wenn er einmal verflogen ist."
Pluvinel vertrat die Ansicht, dass alle Reitfiguren nur ein Herausarbeiten der natürlichen Bewegungen des Pferdes seien, die durch die Reiterei ausdrucksvoller gestaltet werden sollten.
Er beschäftige sich sehr mit der Ausbildung des Pferdes an der Hand und erfand als Hilfsmittel hierzu die Pilaren.
Literatur
- L´instruction du roy en l´exercice de monter à cheval, Olms Verlag, 1972, Repr. d. Ausg. Frankfurt/M. 1670
- Manège royal. Die königliche Reitschule, Allen, London 1970, Repr. d. Ausg. Braunschweig 1626
- Renaissance Reiten nach Antoine de Pluvinel. Reiten wie die Könige, Bent Branderup u. a., Cadmos Verlag, 2003
- Die "Manège royal" des Antoine Pluvinel, Maria Platte, Harrassowitz, 2000
William Cavendish, Herzog von Newcastle 1592 - 1676, England
1658 Veröffentlichung seines Werkes "Methode et invention nouvelle de dresser les cheveaux". Seine Übung "Kopf in die Volte" zählt als Vorstufe zum Schulterherein. Er stützt sich auf Pluvinel, interpretiert diesen aber widersprüchlich und eigensinnig und gilt als Erfinder und rüder Anwender des bis heute umstrittenen Schlaufzügels und entwickelte zur Schonung des Pferdemauls einen Kappzaum. Die Zirkelarbeit war Schwerpunkt seiner Ausbildung im Hinblick auf die Versammlung.
Literatur
- Neu-eröffnete Reit-Bahn, Olms-Presse, 1995, Nachdr. d. Ausg. Nürnberg 1700
Marquis de Marialva 1713 - 1789, Spanien
Er war Reitmeister und Lehrer von Andrade. Sein Einfluss reichte von Portugal über Spanien bis nach Mexico und Lateinamerika. Seine Kunst und seine Ideale leben bis heute fort. Als ein absolut einzigartiger Reiter, der leider keinerlei Aufzeichnungen hinterlassen hat, schuf der Marquis de Marialva eine reiterliche Synthese aus der traditionellen Stierkampfreiterei und den damals allerneusten Erkenntnissen der französischen Reitakademien.
François Robichon de la Guérinière 1688 - 1751, Frankreich
Er erfand den noch heute gültigen korrekten Sitz des Reiters. In seinem 1733 erschienenen Buch "Ecole de Cavalerie" beschrieb Guérinière als erster eine systematische Ausbildung für das Pferd, die vom Leichten zum Schweren führt und noch heute als Grundlage für die klassische Reitkunst gilt. Sein Klassiker wurde in fast jede europäische Sprache übersetzt. Guérinière lehnte jede Gewaltanwendung bei der Ausbildung des Pferdes ab und verlangte, dass jedes Pferd individuell ausgebildet werden müsse, so wie es seine Anlagen erfordern.
Nachdem Guérinière aufgrund finanzieller Probleme eine eigenen Reitschule einstellen musste, war er von 1730 bis zu seinem Tod im Marstall von Ludwig XV. angestellt. Außerdem leitete er die Reitschule der Tuilerien und durfte den Titel Ecuyer du Roy (Reitmeister des Königs) führen.
Im Gegensatz zu Antoine de Pluvinel, seinem Vorgänge der gewaltfreien Schule, sah Guérinière die Ausbildung des Pferdes als eine Vervollkommnung der Natur und wollte damit in einigen Bereichen, wie z. B. dem Galopp, über die natürlichen Bewegungen der Pferde hinausgehen.
Neben dem heute noch üblichen Sitz erfand Guérinière auch das Schulterherein (frz. épaule en dedans) und den Pritschensattel, um dem Reiter die neue Form des Sitzes, die in den bis dahin üblichen Sätteln kaum realisierbar war, zu erleichtern.
Literatur
- Barockes Reiten nach F. R. de la Guérinière, Bent Branderup, Cadmos Verlag, 2000
- Ecole de Cavaleri, Olms-Presse, 1996, 2. Nachdr. d. Ausg. Paris 1733
- Reitkunst oder gründliche Anweisung, Olms-Presse, 1996, 3. Nachdr. d. Ausg. Marburg 1817
- Die Reitschule, Daudenzell, Stratmann, 1966
Ludwig Hünersdorf 1748 - 1813, Deutschland
Er war der erste deutsche Hippologe, der sich in seiner Reitlehre nicht auf die Ausbildung professioneller Reiter, sondern auf die von Amateuren konzentrierte.
Hünersdorf wurde 1748 in Hessen geboren und trat als junger Mann in ein hessisches Kürassierregiment als Fahnenträger ein, wo sein Talent im Umgang mit Pferden auffiel. Er trat aus seinem Regiment aus, um an der Reitakademie Kassel eine Ausbildung zu beginnen, nach deren Abschluss er an der Reitakademie Marburg eine Stellung annahm. 1776 trat er in die Dienste des Prinzen von Hessen, der ihm bereits zwei Jahre später die Aufsicht über seine Ställe übertrug. 1786 erreichte er die Position des Chefbereiters. Durch sein 1791 erschienenes Werk "Anleitung zu der natürlichsten und leichtesten Art Pferde abzurichten" wurde Hünersdorf überregional bekannt, was 1812 zur Berufung als oberster Stallmeister durch Friedrich I. von Württemberg führte. Friedrich erhob Hünersdorf als Würdigung seiner Verdienste um die Reitkunst in den Adelsstand. Ludwig Baron von Hünersdorf starb 1813.
Literatur
- Anleitung zur natürlichsten und leichtesten Art Pferde abzurichten, Olms, 1973, Nachdr. d. Ausg. Marburg 1800
François Baucher 16.06.1796 - 14.03.1873
Er entdeckte, dass der Ursprung der Widersetzlichkeit beim Pferd sowohl in der falschen Verteilung seines Gewichtes am Boden als auch in der geringen Beherrschung der instinktiven Kräfte durch den Reiter zu suchen ist.
Die Verspannungen vor allem im Unterkiefer, Hals und Genick sind es, die ein Pferd einsetzt, um sich zu widersetzen, sobald der Reiter versucht, das Gewicht des Pferdes besser zu verteilen. Deshalb sollte die Ausbildung des Pferdes im Halt damit beginnen, seinen Unterkiefer durch gezielte Lockerungsübungen zu entspannen.
1833 brachte er sein erstes Buch "Dictionnaire raisonné d´equitation" heraus. 1842 folgte "Méthode d´equitation basée sur de nouveaux principes", welches in der 12. Auflage (1864) erstmals den Grundsatz Hand ohne Beine - Beine ohne Hand enthielt. Diese zweite Manier konnte man bis in die 1950er Jahre bei einigen Dressurreitern des französischen Militärs wiederfinden.
Literatur
- Erläuterndes Wörterbuch der Reitkunst, Olms Presse, 1984
- Methoden der Reitkunst nach neuen Grundsätzen, Olms, 2007, Nachdr. d. Ausg. 1884
- Die systematische Ausbildung des Reitpferdes: nach den letzten Unterweisungen von François Baucher, Faverot de Kerbrech, François Nicolas Guy Napoléon, Arbeitskreis Légèreté, 2008
- François Baucher: enfant terrible oder Genie?, Jean-Claude Racinet, Olms-Presse, 2005
- Das neue System vom Reiten und Ausbilden: Grundsätze und Methoden, Cadmos Verlag, 2009
- Das Phänomen François Baucher: Sein Leben - Seine Lehre - Der Mythos, Robert Stodulka, Wu-Wei Verlag, 2009
- Schulpferd und Gebrauchspferd: Die beiden Ausbildungslehren von François Baucher, nach seinen allerletzten Anweisungen, Faverot de Kerbrech, Cadmos Verlag, 2010
James Fillis 1834 - 1913, Frankreich
Er ist ein fast vergessenes bzw. kaum erkanntes Genie seiner Zeit und ein Nachfolger Bauchers in der Hinsicht als sich Fillis wie Baucher in erster Linie für Schulreiterei und für öffentliche zirzensische Vorführungen interessierte. Ausgebildet wurde Fillis u. a. von einem Schüler Bauchers. Er war ein strenger Vertreter der klassischen Prinzipien der Versammlung und Leichtigkeit. Fillis war es, der die von Baucher begonnene Arbeit verbesserte und perfektionierte, kein Autor vor ihm erklärte den Begriff Versammlung (rassembler) so klar, außerdem bekräftigte er, dass das Treiben und Ruhighalten der Beine genauso sorgfältig wie das Annehmen und Nachgeben der Hände ausgeführt werden müsse (descente des jambes). In seinen Zirkusvorstellungen ist er mit dem Rückwärtsgalopp und dem Galopp auf der Stelle berühmt geworden, aber insbesondere in Deutschland schadeten diese Übungen seinem Image sehr.
Literatur
- Grundsätze der Dressur und über die Reitkunst, Olms Verlag, 1990
Louis Seeger 1798 - 1865, Deutschland
Er war ein deutscher Dressurreiter, der bei Maximilian Weyrother an der Spanischen Hofreitschule in Wien die Kunst der klassischen Dressur studierte. Durch Weyrother war er von Guérinière stark beeinflusst. Er war einer der größten Kritiker von François Baucher.
Er gründete in Berlin die erste private Reitschule Deutschlands, wo er sein Wissen auch an Gustav Steinbrecht weitergab.
Literatur
- System der Reitkunst, Olms, 1974
- Herr Baucher und seine Künste: Ein ernstes Wort an Deutschlands Reiter, 1852
Gustav Steinbrecht 1808 - 1885, Deutschland
Er war ein deutscher Reiter und Schüler von Louis Seeger. Berühmt wurde er durch das von seinem Schüler Paul Plinzner zusammengestellte und 1884 veröffentlichte Buch "Das Gymnasium des Pferdes", das als eines der Standardwerke der Reitliteratur gilt und maßgeblichsten Einfluss auf die Reiterei in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte.
Steinbrecht wollte ursprünglich Tierarzt werden, entschied sich aber auf Zureden von Seeger zu einer Laufbahn als Berufsreiter (jedoch außerhalb des Militärs). Er vertrat das alte und im 19. Jahrhundert durch Einflüsse aus England auch in Deutschland aus der Mode gekommene System der klassischen Reitkunst und zeigte Wege auf, dieses auch für die Anforderungen der modernen Reiterei, beispielsweise in der Kavallerie, nutzbar zu machen.
Steinbrechts System floss daher auch in die Heeresdienstvorschrift Nr. 12 ein, die die Grundlage für die Ausbildung von Pferden und Reitern in der deutschen Armee darstellte. Nach dem Studium arbeitete Steinbrecht zunächst für Seeger in Berlin-Moabit. Von 1834 bis 1842 betrieb er einen Stall in Magdeburg, bevor er nach Berlin zurückkehrte und die Nichte von Seeger heiratete. 1849 übernahm er die Leitung der Seegerschen Reitschule und begann die Arbeit an seinem Buch. 1859 übernahm er wiederum eine eigene Reitschule in Dessau, bevor er 1865 erneut nach Berlin umzog, wo er bis zu seinem Tod blieb.
Steinbrechts Devise "Reite dein Pferd vorwärts und richte es gerade" ist auch heute noch gültig (und oft missverstanden).
Literatur
- Das Gymnasium des Pferdes, Cadmos Verlag, 1998
Federico Caprilli 1868 - 1907, Italien
Er war Rittmeister der italienischen Armee und Ausbilder an italienischen Kavallerieschulen. Er gilt als Wegbereiter des sogenannten leichten Springsitzes im Pferdesport.
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war im Springreiten ein Sitz üblich, bei dem der Reiter weit zurückgelehnt im Sattel saß und die Füße nach vorn streckte, um sich bei der Landung gut abstützen zu können. Bereits vor Caprilli waren Reiter darauf gekommen, einen vorgebeugten leichten Sitz, bei dem der Reiter knapp über dem Sattel in den Steigbügeln steht, einzunehmen, der es ihnen erlaubt, der Pferdebewegung zu folgen und im Sprung den Rücken des Pferdes zu entlasten, aber erst Caprilli konnte durch seinen Unterricht diesen neuen Sitz durchsetzen. Um die Überlegenheit dieses Sitzes zu beweisen stelle er 1902 in Turin mit 2,08 m einen neuen Hochsprungrekord auf.
Literatur
- Die Caprilli-Papiere, Quadriga Verlag
Alexis l´Hotte 1825 - 1904, Frankreich
Er prägte die Reitkunst in Frankreich bis ins 20. Jahrhundert hinein, er war Chefreitlehrer in Saumur.
Literatur
- Reitfragen, Olms Verlag, 1977
- Ein Offizier der Cavallerie, Olms Verlag, 1979
General Decarpentry 1878 - 1956, Frankreich
Er hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert die Reitkunst der Welt maßgeblich in seiner Funktion als langjähriger Präsident der Dressurkommission der FEI und als Buchautor beeinflusst.
Literatur
- Academic Equitation: A Preparation for International Dressage Tests, J. A. Allan & Co. Ltd., 1977