Sommerpause 2010
Vom 25. August bis 3. Oktober 2010 bin ich im Urlaub.
03. Juli 2010
An dieser Stelle möchte ich meiner Reitschülerin Alexandra ganz ganz herzlich danken für ihre Hilfe bei der Erstellung dieser Website und für die schönen Fotos.
26. Juni 2010
Seminar mit Dr. Stodulka am 26.06.2010 in Berlin-Hoppegarten
„Vom Lösen, Dehnen, Biegen, Versammeln – wie viel Gymnastik braucht ein Reitpferd?“
Das Seminar fand in angenehmer Atmosphäre im Reitrevier Münchehofe statt. Dank der ausgezeichneten Technik war der Vortrag optisch und akustisch sehr gut zu verfolgen. Und dank der perfekten Organisation hatte jeder Teilnehmer Sitzkissen für die harten Bänke dabei und konnte das Mittagessen im Freien geniessen. Mein Dank gilt an dieser Stelle der Veranstalterin.
Vormittags: Theorie
Der Mann hat mir aus der Seele gesprochen. Jeder Satz, jede Äußerung findet meine vollste Zustimmung. Das war französische klassische Reiterei wie sie sein soll – in der Theorie….
Nachmittags: Praxis
Vorgestellt wurden 4 Pferde, erst ohne Sattel an der Hand. Dr. Stodulka erläuterte kurz die Anatomie und Vor- und Nachteile der einzelnen Pferde aus seiner Sicht.
Was dann kam war leider nicht schön anzusehen. War der vormittägliche Vortrag ein reines Lippenbekenntnis?
Reitunterricht bedeutet für mich, dem Reiter respektive dem Pferd etwas beizubringen, indem ich es erkläre und in kleinen Schritten in Anwendung bringe und festige. Wichtig ist vor allem das Verständnis des Reiters für das WAS er da WIE und vor allem WARUM tut. Denn, wie auch Dr. Stodulka betonte, das Problem sitzt meist im Sattel.
Schlechter Unterricht ist aus meiner Sicht z. B. das reine Ansagen von Lektionenfolgen.
Zu sehen war als erstes ein an der Hand sehr ruhiges, unter dem Sattel dann völlig verspanntes hektisches Pferd, das fast andauernd mit dem Schweif schlug. Die Reiterin stocherte unkontrolliert und ohne Sinn und Verstand mit den Sporen, das arme Tier wusste schlicht nicht wirklich, was es tun sollte. Zwischendurch äußerte sich die Verspannung auch in unkontrolliertem Scheuen.
Den Zuschauern blieb verschlossen worum es ging, denn Dr. Stodulka erklärte nichts.
Der Unterricht verkam zur reinen Lektionenreiterei. Keine Erklärungen, keine Korrekturen – nichts.
Vormittags trug er vor, dass konstruktiver Muskelaufbau nur mit einem losgelassenen Pferd möglich ist. Der Fokus lag ganz klar und immer wieder auf der Losgelassenheit – psychisch und physisch. Davon war rein gar nichts zu sehen in der ersten Einheit, er hat es noch nicht einmal mehr angesprochen.
Mir blieb auch unklar was er erreichen wollte, wo er ein Problem sah, mit welchen Mitteln er dieses Problem beheben wollte und ob ihm das dann im Ansatz gelungen war. Mich würde interessieren, was die Reiterin aus dieser Stunde mitgenommen hat.
Für mich war eine dreiviertel Stunde lang eine durchweg schlechte Reiterei zu sehen. Klemmig, spannig, krampfig.
Losgelassenheit äußert sich durch den ruhig pendelnden Schweif – davon war nichts zu sehen - ein tätig kauendes und vor allem schluckendes Maul – das arme Pferd hatte zum Schlucken gar keine Zeit, kaute die meiste Zeit hektisch auf dem Gebiss herum. Die zwischendurch immer nötigen Verschnaufpausen für das Pferd waren eindeutig zu kurz.
Ich hätte mir gewünscht, dass er das vormittags Gesagte in der Praxis zeigt. Dafür hätte für mich gehört, dass er die Reiterin auf ihre falsche Hilfengebung mit den Sporen (Timing) hinweist.
Vielleicht hätte es den Zuschauern mehr gebracht, wenn er anhand von Erläuterungen Mängel aufgezeigt und Lösungsvorschläge angeboten hätte.
Beim zweiten Pferd erging er sich wieder im Lektionenansagen, ganz nett anzuschauen, da die Reiterin sichtliches Können präsentierte. Aber wozu das Ganze? Was galt es zu erreichen? Es schien wie reine Effekthascherei.
Das Pony war am Ende der Stunde sichtlich geschwitzt und am Ende mit der Kraft – ebenso die Reiterin. Ist das klassisch französische Reiterei?
Mir hätte gefallen, wenn er sich z. B. das Durchparieren herausgegriffen hätte, was leider nicht mit Lastaufnahme der Hinterhand sondern meist durch Stützen mit der Vorhand erreicht wurde. Daran hätte man etwas verändern können in kleinen ruhigen Schritten. Das hätte zu einem neuen Verständnis der Reiterin geführt, durch kleine Schritte hätte auch das Pferd die Chance zum Lernen und zum Verändern seiner Muster und zum Speichern neuer Bewegungsmuster erhalten.
Da für mich damit das Maß voll war habe ich die Veranstaltung in der Pause dann vorzeitig verlassen. Es gab im Praxisteil für mich nichts zu Lernen.
Schade!
Wie mir eine Zuschauerin, die bis zum Schluss geblieben ist, berichtete, gab es dann auch bei den zwei folgenden Pferden keine Änderung des Unterrichtsstils.
Es ist ein wenig wie bei der FN. Was geschrieben steht ist gut. Die Ausführung hingegen hat mit dem Geschriebenen dann meist wenig bis gar nichts zu tun.
Ich habe meine Gedanken zu dem Kurs am nächsten Tag an den Referenten gemailt und umgehend folgende Antwort erhalten:
hallo,
danke für ihr ausführliches mail und ihre gedanke zu dem lehrgang- wie ihnen
sicherlich bekannt ist kann man jahrelang falsch einstudierte bewegungsmuster nicht
in 5 minuten umprogrammieren- der weg um zu einer guten balance und letzlich zu
einer vernünftigen losgelassenheit kommen zu können ist mannigfach- ich schätze auch
herrn racinet sehr, obwohl ich leider nie die möglichkeit hatte ihn persönlich
kennenzulernen, da er am tage unseres treffens diesen bedauerlichen unfall hatte. da
sie die veranstaltung leider schon vorzeitig verlassen haben ist ihnen leider auch
entgangen, dass ich mit allen reitern die problemlösungen für ihre pferde auch noch
besprochen habe- alle pferde haben sich verbessert- das ist für mich der wichtigste
teil, das ich durch die von mir gewählten gezielten lektionen abläufe die bewegungen
und somit auch die balance wenn auch manchesmal nur für kurze momente positiv
beienflussen konnte. jeder der korrekturpferde reel gearbeitet hat wird verstehen,
dass dieses sanctum der reitkunst nicht in zwei bis drei runden erreichbar sein
wird.
in diesem sinne freut es mich in ihnen einen weiteren suchenden nach der reitelichen
wahrheit gefunden zu haben und
verbleibe mit freundlichen grüssen
dr. stodulka
Upps! Da fällt mir dann nicht mehr viel zu ein. Ist ja schön, dass seiner Meinung nach die Pferde sich verbessert haben, aber hat der Reiter auch verstanden, was er da tat? Das bezweifel ich doch sehr.
Diese Art zu Reiten mag vielleicht angehen, wenn der Meister selbst im Sattel sitzt, aber nicht in so einer Unterrichtssituation. Und schon gar nicht, wenn die Zuschauer dafür bezahlt haben etwas zu lernen.
Dass mit den Reitern die Problemlösungen besprochen worden sein sollen ist löblich. Aber haben die Zuschauer das auch mitbekommen?
25. April 2009
Ein großer Reitmeister ist am 25.04.2009 von uns gegangen. Jean-Claude Racinet erlebte seinen 80. Geburtstag nicht mehr.
Er ist nicht mehr in unserer Welt, aber für immer in unseren Herzen.
Ich trauere um einen grandiosen Reiter, exzellenten Reitlehrer und guten Freund.